Für das Motto „Kommen die Onkelz in deine Region widerfährt dir Gutes“ haben wir im Vorfeld unserer B.O.S.C. Party im November letzten Jahres einen Partner in der Region Oberhausen gesucht, den wir im Rahmen des Clubs unterstützen können.

Wir kamen dabei auf die Werkstatt Solidarität in Essen. Diese ist in der Jugendarbeit tätig und bringt Jugendliche von der Straße weg in ein geregeltes Umfeld und in Wohnungen.

Ein paar von uns haben sich also Anfang November aufgemacht, um sich die Arbeit der Organisation vor Ort anzuschauen und waren schlichtweg begeistert.

Bei der Werkstatt Solidarität handelt es sich um eine Einrichtung, die auf vielfältige Art und Weise primär Straßenkinder unterstützt. Derzeit werden ca. 190 Jugendliche betreut.

Begrüßt wurden wir dort vom Leiter Peter „Pelle“ Heemann. Schaut man im Duden unter „Sozialarbeiter“ nach, findet man dort vermutlich ein Bild von ihm. 57 Jahre, mittellange, leicht zerzauste Haare, super sympathisch und mindestens ebenso mitteilungsfreudig. Gute 18 Jahre lang war er Streetworker im Frankfurter Bahnhofsviertel, was man ihm auch insofern anmerkt, als dass ihn so schnell nichts aus der Ruhe bringt und er überaus ziel- und ergebnisorientiert arbeitet. Eins seiner Mottos: Erst machen, dann fragen.

Los ging es mit einer Führung über das Gelände. Mehr oder weniger aus dem Nichts hat Pelle mit seinen Helfern innerhalb von ca. vier Jahren beeindrucke Räumlichkeiten geschaffen. Es gibt einen Box-Raum, ein kleines Musikstudio, eine sehr gut ausgestattete Werkstatt, in der die Kidz zum Teil auch ihre eigenen Möbel bauen, bzw. restaurieren, eine eigene Wachtelzucht, einen kleinen Garten, und noch einiges mehr. Auch wichtig: Altkleidersammelboxen, von denen Sie mit Genehmigung der Stadt insgesamt 16 Stück aufstellen dürfen.

Dann ging es in das eigentliche „Haupthaus“. Aus einem alten, dreigeschossigen Wohnhaus hat die Werkstatt Solidarität eine zentrale Anlaufstelle geschaffen, in der sich Aufenthaltsräume, eigene Küchen, Unterrichtszimmer, usw. befinden.

Eins der wesentlichen Konzepte der Einrichtung ist es, jedem, und zwar wirklich jedem die Chance auf eine eigene Wohnung zu geben. Junkie, Straßenkind ohne Wohnsitz, Schulverweigerer – es wird versucht, jedem zu helfen. Das läuft dann so ab, dass die Werkstatt Solidarität eine Wohnung anmietet und der/die Jugendliche(n) dann die Wohnung beziehen. Mit Erreichen der Volljährigkeit können die Bewohner die Wohnung übernehmen. In diesem Jahr ist das bereits ca. 85 Mal geschehen, was wir schon sehr beeindruckend fanden. Macht ein Bewohner groben Quatsch und der Vermieter möchte ihn aus der Wohnung haben, wendet er sich an Pelle, bzw. an einen seiner Mitarbeiter, und die Wohnung wird geräumt. Aber selbst dann erhält der Bewohner eine neue Chance in einer neuen Wohnung. Die Erfahrung hat gezeigt, dass so etwas, wenn überhaupt, maximal ein einziges Mal passiert, da die Kidz sehr schnell den Wert einer eigenen Wohnung zu schätzen lernen und begangene Fehler nicht wiederholen.

Wir unterhielten uns natürlich auch darüber, wie der B.O.S.C. hier helfen könnte. Da wären zum einen Kleiderspenden. Wir haben gleich zu Beginn nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich um einen Onkelz-Club handelt, sodass auch jegliche Kleidung entsprechende Beschriftung tragen wird. Es gab wohl hausintern durchaus heftige Diskussionen über dieses Thema. Auf der einen Seite, die „Alt-Hippies“ (zu denen sich auch Pelle zählt) und auf der anderen Seite die jüngeren Mitarbeiter, welche die Onkelz eigentlich zumeist ganz prima finden. Erneut mussten wir unseren Hut ziehen. Pelle selbst ist Frankfurter und wie beschrieben eher Hippie. Er gehörte dann doch eher zur „Slime“-Fraktion, und es war für ihn vollkommen klar, dass BO einfach kacke sind. Dennoch, trotz dieser frühen Prägung, sagte er uns, dass er es nicht einsieht, dass andere Leute wegen seiner persönlichen Vorurteile leiden müssen. Er hat sich also ein wenig mit der Thematik beschäftigt und konnte somit größtenteils vorurteilsfrei in die Diskussion gehen. Respekt dafür! Lange Haare, kurzer Sinn: Man möchte mit uns zusammenarbeiten.

Vor wenigen Wochen hat die Einrichtung einen kleinen Laden in Essen eröffnet, in dem ausschließlich Heimkinder und Straßenkidz einkaufen dürfen. Gegen eine Schutzgebühr erhalten Sie dort Kleidung. Eine Jacke kostet 2 €, ein Pullover 1 € und ein Shirt 50 Cent.

Geldspenden werden ebenfalls jederzeit benötigt. Hierfür kann zunächst kein direkter Verwendungszweck festgelegt werden, dieser ergibt sich jeweils aus den vorliegenden Notwendigkeiten.

Sehr schönes Projekt, hinter dem enorm viel Engagement und Herzblut steckt. Aus unserer Sicht absolut förderungswürdig. Deshalb haben wir auf der Party in Oberhausen in Halle 3 eine Spendenbox platziert.

Am 03.01.2020 konnten wir der Einrichtung dann einen (symbolischen) Scheck von 1.000 Euro überreichen.

Wir freuen uns auch in Zukunft mit der Werkstatt Solidarität Essen zusammenzuarbeiten und deren Projekt mit kleinen Aktionen zu unterstützen.

Website der Werkstatt Solidarität

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