„Lasst es uns tun – Lasst uns das Land verderben“ – mit guten Taten! Zum Jahresende lohnt sich an dieser Stelle ein Rückblick auf die Aktionen in Stuttgart der letzten drei Jahre im Rahmen des Projekts „Licht der Hoffnung“. Wir können mächtig stolz darauf sein, dass wir ebenso konsequent und zuverlässig wie unsere anderen Mitglieder-Teams, beispielsweise in NRW, auf die Straße gehen, um anderen etwas Gutes zu tun. Das Erfreuliche dabei ist, dass wir sogar immer mehr werden! Es ist wirklich wie ein Feuer: Erst ist es ein kleines Licht, das irgendwo mit einem kleinen Schein inmitten der Dunkelheit brennt. Daraus erwächst eine kleine Flamme, die weitergetragen wird – vergleichbar mit dem Olympischen Feuer. Denn neben Stuttgart leuchtet unser Licht in Baden-Württemberg ebenfalls regelmäßig und konstant in Offenburg. Vielleicht schaffen wir es, weitere Städte mit unseren onklifizierten Leuchtfeuern zu erhellen!

Unser letzter Aufschlag für das Jahr 2025 in Stuttgart ist eine Nikolausaktion. Freunde und Bekannte von Jens haben ihm Spenden wie Mandarinen, Schokoweihnachtsmänner, Nüsse und Schokoriegel zukommen lassen, sodass er etwa 30 Nikolaustüten packen kann, mit denen wir heute – zusätzlich zu unserem üblichen Sortiment an Essen, Hygieneartikeln und wintergerechter Kleidung – die Bedürftigen beschenken können. Einen der Spender, Bernd, bringt Jens ebenfalls als Gast mit, der im Folgenden auch tatkräftig mit anpacken wird. Zur Feier des Tages haben wir vier Bollerwagen mit dabei, die auch wirklich mehr als voll sind, sodass wir gut gelaunt zur „Paule“ pilgern. Verstärkt wird unsere gute Stimmung mitunter auch dadurch, dass heute eine Musikbox mit dabei ist, die uns und Umstehende mit entsprechender Musik beschallt: Onkelz natürlich statt „Last Christmas“, wie es momentan ja überall zu hören ist.

Dort angekommen erfahren wir, dass Popey (der Mann mit dem verletzten Bein, das zunehmend besser aussieht, da er regelmäßig zur ambulanten Behandlung geht) mittlerweile ein Zimmer gefunden hat. Das freut uns riesig, erinnern wir uns doch noch gut daran, wie wir ihn vorgefunden haben – und der Abgrund, vor dem er damals stand, so nah und tief vor ihm aufklaffte! Über unsere heutigen Gaben freut er sich, wie die anderen auch, sehr. Seine Dankbarkeit spüren wir im Gespräch mit ihm. Das wiederum gibt auch uns das Gefühl, mal wieder das Richtige zu tun und unsere Zeit für Mitmenschen und Menschlichkeit sinnvoll zu investieren. Anders als sonst üblich treffen wir weniger Personen hier an. Das motiviert uns, heute mal wieder eine Runde durch die Stadt zu drehen – wohl wissend, dass wir den Schlossplatz meiden müssen, da dort aktuell der Weihnachtsmarkt aufgebaut ist.

So ziehen wir also einen Teil unseres Weges durch die Königstraße, um dann rechtzeitig links abzubiegen und die Parallelstraße in Richtung eines Supermarkts bzw. Hauptbahnhof zu nehmen. Auf diesem Weg treffen wir dann auch zwei junge Männer. Den ersten der beiden sprechen wir an: Er lehnt gerade an einem Baum, schwankt leicht und je näher wir ihm kommen, desto deutlicher sehen wir, dass sein Zustand nicht so gut ist. Dann sagt er: „Ihr seid doch die, die immer an die Paule kommen.“ Er erkennt uns und freut sich – und das umso mehr, da wir ihm Essen und Kleidung, einen Onkelz-Schal sowie eine Nikolaustüte geben können. Unterwäsche und Socken nimmt er ebenfalls gerne an, Handschuhe und Mütze sind auch notwendige Utensilien. Er bedankt sich und möchte auch unbedingt seine Wertschätzung für unser Engagement ausdrücken, indem er uns sagt, dass er es so toll findet, was wir tun. Während wir mit ihm im Gespräch sind, kommt der zweite junge Mann zu uns und fragt, ob wir Obdachlosen helfen. Als wir dies bejahen, ist er sichtlich erleichtert und froh, uns zu treffen. Er erzählt, dass er gerade aus dem Knast entlassen wurde und nichts hat – weil dort oder in der Notunterkunft, in welcher er untergekommen ist (wir haben es nicht ganz verstanden) seine Habseligkeiten entsorgt wurden. Eigentlich braucht er nur eine Tasche. Am Ende ist er überrascht und glücklich darüber, dass er weitaus mehr als das bekommt und zudem noch viele freundliche Gesichter, offene Ohren und ein paar aufbauende Worte mit auf den Weg bekommt.

Diese Begegnung bleibt am Ende der Aktion mit am meisten im Kopf hängen. Denn es war diese überraschte Freude in den Augen der beiden jungen Männer, die das Licht der Hoffnung repräsentieren. Diese Situationen im Leben, in denen man mit nichts und niemanden rechnet – ganz gleich, wie tief man im Dreck steht oder sogar kniet – und plötzlich passiert es, dass Mitmenschen aufmerksam werden und unterstützen oder helfen. Und das macht oft das „Magische“ unserer Aktionen aus.

Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unter https://mein.bosc.de an.