„Winter im Herz, keine rühmliche Zeit“ – denn Winter bedeutet für die Menschen auf der Straße, die nichts weiter haben als die Habseligkeiten, die sie mit sich führen, meist Krankheit, große Not und manchmal sogar den Tod. In Offenburg ist der Winter Ende November auch eingebrochen. Daher haben wir die vergangenen Wochen damit verbracht, sehr viel warme Kleidung sowie Decken und Winterschuhe in unserem Bekanntenkreis zusammenzusammeln. Unsere Aktionen für Bedürftige sprechen sich immer mehr herum und so steht immer öfter etwas vor unseren Haustüren oder es kommt eine Kurzmitteilung, dass eine Spende irgendwo abgeholt werden kann. Wir – also Verena, Susanne, Angelika, Heike, Jessie, Dagmar, Marcel, Peter sowie David mit seinem Sohn Emil – finden auch immer wieder etwas in unserem Haushalt, das wir gerne abgeben. Vom B.O.S.C. ist noch eine große Lieferung an Mützen, Handschuhen, dicke Socken und Unterwäsche eingetroffen, somit sind wir perfekt ausgestattet für die heutige Aktion.

Unsere 7 Bollerwagen sind randvoll. Zusätzlich haben wir auch wieder Hygieneartikel, Lebensmittel und Hundefutter dabei. An unserer ersten Station werden wir schon freudig erwartet. Es ist wieder eine große Menschenmenge da, denn die Bedürftigen wissen, dass wir monatlich erscheinen, und erzählen es anderen. Zuerst mal einen Kaffee oder eine warme Mahlzeit und schon geht das Aussuchen der Kleidungsstücke los. Als erstes wird ein sehr dünner Hund von uns mit warmer Kleidung und Futter ausgestattet. Die obdachlose Besitzerin hatte kürzlich danach gefragt und wir haben den Hund selbstverständlich nicht vergessen. Während der Ausgabe erzählt uns Jörg, ein anderer Obdachloser, den wir schon lange kennen, dass er nun ein Zimmer bekommen hat und sogar seinen Hund dorthin mitnehmen darf. Er hatte unserer Heike berichtet, die ihm ab und zu in der Innenstadt begegnet, dass er schlimm zusammengeschlagen wurde und sogar ins Krankenhaus musste. Er ist so ein ruhiger lieber Mensch, für uns ist es nicht nachvollziehbar, wie dies passieren konnte.

Nachdem alle mit dem Nötigsten versorgt sind, ziehen wir weiter zum Kälteschutzhaus, welches jetzt geöffnet ist. Hier versorgen wir die Bedürftigen zusätzlich mit Wolldecken, Bettdecken, Kissen, Duschhandtüchern, Thermoskannen und Kosmetik. Wir wissen vom letzten Jahr, dass dieses Haus kaum ausgestattet ist. Auch hier verweilen wir einige Zeit, bis wir zur dritten Station, dem Schlachthof, weiter gehen. Aus der Presse haben wir erfahren, dass dieses alte Areal etwas Neuem weichen soll. Das geschieht unserer Meinung nach sehr plötzlich, denn es ist keine Menschenseele da, weil alles mit Bauzäunen abgesperrt ist. Wir fragen uns, wo die Bedürftigen der Stadt nun einen Unterschlupf mit Überdachung finden können, wie sie ihn hier hatten. Mit diesen traurigen Gedanken ziehen wir langsam wieder zurück zum Parkplatz, verstauen die letzten Sachen und treten unsere jeweiligen Heimreisen an.

Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unter https://mein.bosc.de an.