„Wie aus der Sage.“
Manchmal sitzt du bei Kaffee und Kuchen zusammen und merkst erst hinterher, wie weit manche Lebensrealitäten eigentlich von deiner eigenen entfernt sind.
Am Freitag ist es wieder soweit: Chris und ich, Manu, treffen uns mit Britta im Raum58. Eigentlich denkst du vorher: bisschen quatschen, bisschen Austausch.
Am Ende sitzt du da und realisierst: Manche starten im Leben nicht einfach ein paar Meter weiter hinten. Manche starten gefühlt schon mit einem Rucksack voller Steine.
Denn hier geht’s nie nur um eine Sache.
Drogen. Gewalt. Vernachlässigung. Straftaten. Schwangerschaften. Jugendliche, die zwischen allen Stühlen hängen. Behörden, bei denen sich Zuständigkeiten manchmal anfühlen wie stille Post.
Und trotzdem geht es eben nicht nur um Absturz.
Sondern auch um Menschen, die kämpfen. Die versuchen, irgendwie wieder auf die Beine zu kommen. Trotz allem.
Im Gespräch wird ziemlich schnell klar, womit der Raum58 tagtäglich konfrontiert ist.
Mit jungen Menschen, die oft schon mehr erlebt haben als andere in mehreren Leben sehen mussten.
Mit Geschichten, bei denen du manchmal kurz still wirst.
Nicht, weil du keine Worte hast.
Sondern weil du merkst, wie leicht man Menschen übersieht, wenn man selbst nie hinschauen musste.
Es geht um junge Menschen, die schwanger werden und gleichzeitig kaum Halt haben. Um Sucht. Um Rückschläge. Um das Gefühl, zwischen Zuständigkeiten verloren zu gehen.
Und auch darum, wie schwer es sein kann, überhaupt wieder Vertrauen ins Leben zu bekommen.
Dann sind da diese kleinen Dinge, die hängen bleiben.
Ein gemeinsames Abendessen. Aufmerksamkeit. Menschen, die zuhören. Struktur. Regeln. Verlässlichkeit.
Klingt erstmal banal.
Ist es aber offensichtlich nicht.
Denn manchmal reicht schon ein Ort, an dem jemand deinen Namen kennt und fragt, wie’s dir geht.
Es wird auch darüber gesprochen, wie selbstverständlich manche Dinge für viele wirken – und wie wenig selbstverständlich sie für andere sind.
Dinge, bei denen man kurz innehält und merkt: Nicht jeder wächst mit denselben Chancen auf.
Für mich als Mutter ehrlich gesagt schwer vorstellbar.
Meine Kinder stehen an erster Stelle. Immer.
Neu ist übrigens auch die RaumStation, sozusagen der kleine Bruder vom Raum58. Jugendliche zwischen 12 und 17 wohnen dort stationär in kleinen Gruppen, weil sie woanders oft nicht mehr angenommen werden, gleichzeitig aber noch nicht allein klarkommen.
Und dann gibt’s noch das „Kloster“. Ein Ort für junge Erwachsene, die versuchen, wieder Struktur ins Leben zu bekommen. Verantwortung zu übernehmen. Nicht perfekt. Aber Schritt für Schritt.
Britta meint selbst, dass sie manches früher nie für möglich gehalten hätte.
Ist es aber doch.
Vielleicht auch, weil Menschen manchmal mehr schaffen, wenn sie jemand nicht direkt aufgibt.
Am Ende ist die Zeit wieder viel zu schnell vorbei.
Und du gehst da raus und denkst: Helfen heißt nicht immer, die große Welt zu retten.
Manchmal heißt helfen einfach: da sein. Zuhören. Dranbleiben.
Und jemanden eben nicht fallen lassen.
Britta freut sich riesig über die mitgebrachten Sachen und richtet allen liebe Grüße aus.
Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Besuch.
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