„Das Leben war nicht immer, nicht immer gut zu mir“ – Regelmäßig besuchen wir eine Wohnsiedlung für Obdachlose im westlichen Ruhrgebiet, um die dort Lebenden mit den Dingen des alltäglichen Gebrauchs zu versorgen. Wir, das sind neben mir, Nine, noch Patrick, Annika, Benjamin, Frank und Jacqueline.
Obwohl es heute regnet, entscheiden wir uns dafür, die Lebensmittel wie gewohnt auf der zur Verfügung stehenden Tischtennisplatte aufzubauen. Die Kleiderausgabe findet heute jedoch unter dem Dach der Örtlichkeit statt. Leider haben wir Zuckersticks und Brottüten vergessen, so dass ich kurzentschlossen zum benachbarten Supermarkt düse, um diese nachzukaufen. Das restliche Team beginnt bereits mit der Versorgung unserer Gäste.
Der Andrang ist heute nicht so groß wie sonst, der Regen hält wahrscheinlich viele davon ab, zu uns herunterzukommen. Trotzdem können wir rund 20 Bedürftige mit unseren Waren und Gaben glücklich machen. Leuchtende Augen und die Freude darüber, dass wir ein offenes Ohr für Gespräche haben, sind der Dank für unsere Tätigkeit. So wissen wir wieder, warum wir das tun. Das Ganze geht, speziell mir, ans Herz.
Jacqueline versorgt eine junge Frau mit einem warmen, roten Wintermantel und auch die anderen Kleiderspenden werden gerne angenommen. Astrid, eine unserer Stammbesucherinnen, ist ganz verrückt nach einer Wolldecke und lacht sich schlapp, als ich sie frage, ob sie vor lauter Wolldecken überhaupt noch in ihre Unterkunft gehen kann. Unser Mitglied Benni hat eine originale, warme Jacke von AC/DC gespendet, um die mehrere Bewohner buhlen. Letztlich einigen sich die Bewohner darauf, dass dieses wertvolle Stück ebenfalls an Astrid geht, die aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus kommt. Heute ist ganz klar Astrids Glückstag.
Auch unsere Rollstuhlfahrerin Dani ist wieder anwesend. Sie leidet an ausgeprägten Spastiken. Ihr können wir mit einer Jacke im Leopardenlook eine Freude machen, die sie direkt vor Ort mit Unterstützung einer anderen Dame anzieht. Die Jacke passt Dani wie angegossen und sie strahlt über das ganze Gesicht. Als ich ihr dann auch noch einen der verbleibenden Onkelz-Schals überreiche, ist sie völlig aus dem Häuschen. Mit Tränen in den Augen drückt sie sich den Schal ins Gesicht und knuddelt ihn. Sie kommt aus dem Bedanken gar nicht mehr raus.
Im Laufe des Geschehens kommt auch Philipp aus der Unterkunft zu uns. Und das, obwohl er derzeit sehr schlecht laufen kann. Bei der Begrüßung raunt er mir zu, dass er nicht möchte, dass wir uns wieder Sorgen um ihn machen, weil er nicht erscheint. Diese Geste berührt mich sehr.
Nach vielen interessanten Gesprächen beenden wir unsere heutige Aktion und machen uns auf den Weg zu dem heute stattfindenden Mitgliedertreffen, um uns mit anderen Mitgliedern über unsere Aktionen auszutauschen, gemeinsam zu essen und Spaß zu haben.
Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unter https://mein.bosc.de an.

