„Ich hör dich sagen, du kannst nicht mehr“: Wir, Annika, Kevin und ich, Frank, nehmen heute wieder im Namen der Onkelz Kurs auf Gelsenkirchen. Wie gewohnt treffen wir uns am Bahnhof-Center, sortieren dort unsere Einkäufe und können dank Kevin, der seinen Bollerwagen mitbringt, alles gut auf die insgesamt drei Wagen aufteilen. So starten wir bestens ausgestattet und können bereits vor Ort die ersten Bedürftigen versorgen.
Zunächst gehen wir von etwa 30 Personen aus, die wir heute erreichen können. Doch unsere Tour führt uns durch eine Innenstadt, die auf den ersten Blick ungewöhnlich leer wirkt. Am Heinrich-König-Platz treffen wir vereinzelt Bedürftige an, setzen unseren Weg jedoch weiter fort in Richtung Musiktheater im Revier. Dort fällt uns auf, dass das Ordnungsamt mit Personal präsent ist und Obdachlose vertreibt. Wir erfahren, dass viele von ihnen inzwischen in den Grünanlagen rund um das Theater Zuflucht suchen. Dort können wir dann auch zahlreiche Menschen versorgen – davon auffällig viele Frauen, etwa acht an der Zahl. Das kam bisher selten vor.
Die Stimmung unter den Anwesenden ist sehr offen und vertrauensvoll. Viele erkennen uns wieder und suchen das Gespräch. Sie können ihre Dankbarkeit über unsere Gaben kaum in Worte fassen, zeigen es uns dafür deutlich durch Gesten. Besonders bewegend sind die Berichte über gesundheitliche Probleme: Ein Mann wurde von einer Ratte gebissen und leidet an einer Infektion. Ein anderer zittert stark und klagt über heftige Schmerzen.
Einen besonders erschütternden Moment erleben wir, als wir einen Mann in einem Hauseingang ansprechen. Auf unsere Frage, ob wir helfen können, antwortet er nur: „Ihr könnt mich erschießen.“ Natürlich nehmen wir uns für ihn Zeit, versorgen ihn mit Essen und Trinken und erfahren, dass er unter epileptischen Anfällen leidet und sich in Kliniken schlecht behandelt fühlt.
Ein weiterer erschreckender Vorfall am Heinrich-König-Platz verdeutlicht uns den harten Umgang des Ordnungsamtes mit Bedürftigen: Ein Mann erhält offenbar einen Platzverweis, verliert vor Schreck seine Pommes und wird von den Beamten augenscheinlich gezwungen, diese vom Boden aufzuheben und in den Müll zu werfen. Diesen Mann hatten wir zuvor versorgt. Wir hatten dabei das Gefühl, dass er physisch und psychisch gar nicht in der Lage ist, Anweisungen zu verstehen und umzusetzen. Wir beobachten das Ganze aus der Ferne und sind erleichtert, als der Mann die Szenerie anschließend ohne weitere Repressalien verlassen darf.
Am Ende unserer Aktion können wir über 40 Menschen versorgen – die Zahl der ausgegebenen Kaffeebecher offenbart dies. Besonders eindrucksvoll ist der Moment, als wir in eine Seitengasse abbiegen und ein Mann uns mit den Worten: „Die Engel sind da, die Engel sind da!“ begrüßt. Er und andere Bedürftige haben bereits von uns gehört und warten auf unsere Hilfe. Zum Schluss erreichen wir sogar noch eine ältere Dame im Hauptbahnhof, die nicht mehr aufstehen kann. Sie ist sehr dankbar für unsere Unterstützung.
Erstmals in Gelsenkirchen sind wir heute restlos „ausverkauft“. Jegliches Material ist verteilt worden und jede Spende hat den Weg zu den richtigen Menschen gefunden. Wir können nicht nur versorgen, sondern auch zuhören, Trost spenden und Hoffnung geben. Der Tag hat uns gezeigt, wie groß der Bedarf in dieser Stadt ist und wie sehr unsere Arbeit hier weiterhin gebraucht wird.
Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unter https://mein.bosc.de an.


