Wir bleiben : Mitte Dezember machen wir – Tom Micha und ich, Christine – uns wieder einmal auf den Weg zu einer Notunterkunft im östlichen Ruhrgebiet, um kurz vor Weihnachten einige Gaben zu verteilen. Dank der großzügigen Unterstützung des B.O.S.C. sowie eigener Zugaben können wir reichlich Waren zur Selbstversorgung ausgeben. Eigentlich ist unser Plan, nicht lange zu bleiben, da wir beide gesundheitlich angeschlagen sind, aber daraus wird nichts.
Vier Bewohner warten bereits auf Bänken auf uns. Ein Bedürftiger, der bereits seit Monaten nicht mehr gesehen wurde und um den wir uns ernsthaft gesorgt haben, ist wieder da. Die Wiedersehensfreude ist enorm auf beiden Seiten. Er hatte in der wärmeren Jahreszeit sein Quartier im Wald aufgeschlagen. Auch die ersten kalten Nächte hat er dort hartnäckig verbracht und ist nun in die Unterkunft zurückgekehrt, da er krank wurde. Er ist noch immer nicht vollständig genesen, hat jedoch viel zu erzählen. Dass in unseren Waldgebieten im Moment viele Wildschweine leben, ist stadtbekannt. Der Bedürftige wurde mehrfach von ihnen angegriffen, sein Lager zerstört, die spärlichen Lebensmittel aufgefressen. Auch haben ihm Ratten größere Schäden zugefügt. Zu guter Letzt wurde er von zwei Männern niedergeschlagen, die von der Polizei später erwischt wurden. Die wenigen Habseligkeiten, die ihm geklaut wurden, bekam er glücklicherweise nach ein paar Tagen zurück. Dennoch ist seine linke Hand noch immer verletzt und er trägt deshalb einen Verband.
Ein anderer Bedürftiger, der mittlerweile seine Wohnung bezogen hat, ist erwartungsgemäß völlig überfordert. Die Bewohner der Unterkunft halten den Kontakt und versuchen ihn, soweit möglich, zu unterstützen. Er ist einsam dort, auch sein Sohn lässt sich überhaupt nicht mehr blicken. Durch die körperlichen Einschränkungen ist der Bedürftige nicht in der Lage, den nächstgelegenen Supermarkt zu erreichen, sodass er oftmals nichts zu essen hat.
Aktuell wohnen sieben Männer in der Unterkunft. Drei davon sehen wir heute leider nicht. Sie werden allerdings ebenfalls alle in den Genuss unserer Spenden kommen. Die anwesenden Männer freuen sich riesig und sind sehr dankbar. So bleiben wir über eine Stunde in der Unterkunft, führen gute Gespräche mit den Bewohnern und sind am Ende ziemlich durchgefroren.
Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unterhttps://mein.bosc.de an.


