„Ich zeige dir eine andere Welt“ — abseits des Mainstreams, dort, wo wir im Alltag schnell vorbeihasten, weil wir zu sehr mit unserem Trott beschäftigt sind. Auch Lübeck hat diese Orte, an denen sich Mittellose und Bedürftige versammeln. Wir sind heute zu viert: Meine Frau Diana und ich, Marcel, sowie Michael und seine Frau Tabea. Die beiden nehmen den Weg von Hamburg in Kauf, um mit uns gemeinsam durch Lübeck zu ziehen. Und sie bringen zwei Säcke mit Kleidung sowie einen weiteren Bollerwagen mit, sodass wir gut ausgestattet starten können.
Die Sonne scheint und wir sind guter Dinge — obwohl wir uns bisher nicht kannten und wir auch nicht wussten, was uns heute erwarten wird oder wie viele Personen wir antreffen und versorgen werden. Auf dem Weg in die Innenstadt sitzen bereits vereinzelt Personen am Straßenrand. Wir sprechen sie an und fragen, ob wir ihnen etwas Gutes tun können oder ob sie etwas benötigen. Hin und wieder kommen wir auch etwas länger ins Gespräch, nehmen an ihren Schicksalen teil und sprechen ihnen Mut zu. Die ehrliche Dankbarkeit, die wir während unseres Tuns erfahren haben, ist aller Mühe wert, die wir so wie auch andere Mitglieder für eine Licht-der-Hoffnung – Aktion auf uns nehmen: manchmal lange Fahrtwege zum Aktionsort, die Besorgungen, Dinge über den Verein zu bestellen. Aber am Ende ist es das alles wert — und im Prinzip auch gar kein Hexenwerk, wenn man freudestrahlende Augen dafür erntet.
Im Stadtkern treffen wir weniger Personen an als erwartet, deshalb machen wir uns auf in Richtung Hauptbahnhof. Im dazugehörigen Park stoßen wir auf ein junges Mädchen — ihr Anblick schockiert mich ein bisschen, ich empfinde tiefes Mitgefühl für sie, einfach weil sie so jung ist. Sie nimmt unsere Artikel gerne an, darunter auch eine Winterjacke, denn die kalte Jahreszeit steht vor der Tür und das Leben auf der Straße wird dann um einiges rauer.
Insgesamt sind wir heute knapp vier Stunden unterwegs, versorgen allerlei Bedürftige, erfahren einige — teilweise auch sehr emotionale — Lebensgeschichten uns völlig fremder Menschen und nehmen so Anteil an ihrem Schicksal. Teilweise lässt uns das nachdenklich zurück. Doch sie hindern uns nicht daran, bereits die nächste Aktion ins Auge zu fassen, um anderen Gutes zu tun.
Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unter https://mein.bosc.de an.




