„Nur noch schnell die Welt retten.“ Nein – das werden wir wohl nicht schaffen. Doch jeder kann jemandem helfen.
 
Treffpunkt: Bahnhof Dortmund 03.06.2023 15.00 Uhr
 
Teilnehmer: lauter supercoole Menschen: Günny, Tobi, Pelle, Claudi, Michelle, Chris und ich.
 
Mission: Einfach „Hallo“ sagen.
 
Die Organisation vorab ist nicht schwer, aber etwas chaotisch, was es jedoch zu etwas Besonderem macht. Einfach kann jeder. Am Ende ist alles da, das gebraucht wird. Die Autos bis zum Dach vollgeladen, so dass nicht mal mehr eine Ameise hineinpasst. Secondhand Kleidung (gewaschen und sortiert), diverse Hygieneartikel, etwas Süßes, etwas Herzhaftes, Obst, Kaffee, kalte Getränke, sogar an Kühltaschen und Stieleis wird gedacht und natürlich unsere Bollerwagen.
 
Dem Start steht nichts mehr im Wege.
 
Ja – Gemeinsam kann man vieles auf die Beine stellen.
 
Am Bahnhof: viele Menschen, ein stetes Kommen und Gehen. Die Menschen hetzen zu ihren Zügen oder in Richtung Stadt, um einen schönen Tag zu verbringen. Doch wir schauen zwischen diese Umhereilenden – und dort sind die Menschen, denen wir „Hallo“ sagen. Sie empfangen uns mit einem Lächeln und umso herzlicher fällt unser Hallo aus.
 
Menschen wie Du und Ich und doch sind sie etwas Besonderes, denn sie haben kein Zuhause, in das sie zurückkehren können. Ich stehe etwas abseits und beobachte. Ich habe meine Gruppe im Blick, die sich an der Begeisterung jedes Einzelnen erfreut, den sie mit einer Tasse Kaffee, einer Suppe oder etwas Kleidung eine Freude machen können. Ich sehe diese außergewöhnlichen Menschen, die ungesehen im Großstadtdschungel leben. Sehe ihre Einsamkeit, sehe ihr Lächeln und ich sehe sie. Blicke hinein und sehe die Menschen, die sie verkörpern. Menschen mit Sorgen und Ängsten und doch mit einem „Hallo“ auf den Lippen.
 
Ich beobachte weiter und mein Blick sieht noch mehr. Da schreitet ein Mensch mit schnellen Schritten aus der Bahnhofstür. Im letzten Augenblick hebt er das Bein und überwindet das Hindernis am Boden. Wie ferngesteuert, kein Blick nach unten. Er merkt nicht, dass er gerade fast über einen Menschen gestolpert ist. Ich blicke in Gesichter, die mit rümpfenden Nasen und abfälligen Blick einen großen Bogen schlagen, um auszuweichen. Ich sehe Menschen, die geradlinig ihren Weg gehen, ohne auch nur einmal „Hallo“ zu sagen. Ich frage mich: Wann haben wir unsere Werte verloren? Respekt, Anstand und Mitgefühl. (Kein Mitleid, denn das wird gar nicht erwartet.)
 
Wisst Ihr, was das Besondere an unseren Menschen ist, denen wir „Hallo“ sagen? Sie haben außergewöhnliche Geschichten. Geschichten, die das Leben schreibt. Sie sind dunkel und manchmal auch gruselig, doch es gibt diese Lichter der Hoffnung zwischendrin. Jeder von uns hat eine Geschichte – doch die Geschichten dieser Menschen sind voller Kraft in der größten Not. Sie stecken fest im dunklen Bereich ihrer Geschichte, sie kämpfen ums Überleben. Ja: sie betteln, doch sie geben nicht auf. Ihr Leben ist ein Kampf – und wir? Wir leben in unseren Wohnungen, jammern, weil alles teurer wird, dabei haben wir so viel, nur wissen wir es nicht zu schätzen.
 
Einfach mal „Hallo“ sagen. Es kostet nichts. Ein Wort zu wechseln und damit zu zeigen, dass sie gesehen werden.
 
Wir ziehen weiter Richtung Fußgängerzone. Genervte Menschen in ihrer Hetze zum nächsten Geschäft, weichen unseren Wagen aus. Schon sehen wir wieder jemanden und wir schenken ein Lächeln mit einem „Hallo“. Er legt die Hände zusammen und nickt mir zu. Seine Augen treffen auf meine und sein Mund bewegt sich. Ich höre ihn nicht, in den Geräuschen der Großstadt, doch sein Blick spricht für sich.
 
Menschen um uns herum starren uns an, mit einem großen Fragezeichen. Wie können wir nur? Was machen wir da? Warum reden wir mit denen? Dem Abschaum, den Junkies, den Bettlern, den Obdachlosen. Ich lese in ihnen wie in einem offenen Buch. Am liebsten würde ich schreien: „Weil wir es können! Wir können Respekt leben und wir können ‚Hallo‘ sagen.“
 
Mittlerweile hat sich unser Team eingespielt und jeder geht seiner Aufgabe nach. Kaffee ausschenken, passende Kleidung heraussuchen und vor allem nette Gespräche führen. Zuhören, ihnen mit offenem Blick begegnen und auch hier und da eine Hand schütteln. Berührungsängste gibt es nicht. Im Stadtpark treffen wir weitere interessante Menschen, hören Geschichten und reichen Hände mit einem „Hallo“. Wir kennen einige mit Namen und kommt man ins Gespräch, wird auch ein Name gewechselt. Was mich immer wieder begeistert, wie schnell sie sich die Namen merken. Dann erschallt schon mal ein. „Bis bald, Regine.“ „Passt auf euch auf, Chris.“ Einen Namen zu nennen, macht es noch mal persönlicher und intensiver, mit diesen Menschen zu reden.
 
Wir verteilen das, was wir haben. Es erscheint nicht viel, doch für diese Menschen ist jedes kleine Teil ein herzliches „Danke“ wert. Oft müssen wir sie dazu überreden, denn sie sind nicht gierig. Sie nehmen oft nur das, was sie brauchen oder noch weniger, damit auch andere noch etwas abbekommen.
 
Viele kennen unsere Gruppe und umso größer und herzlicher fällt das „Hallo“ aus. Es bedarf nicht vielem, um ein Lächeln zu schenken – es bedarf nur eines Wortes, ein Wort des Respekts: „Hallo“.
 
Es sagt so viel aus: Ich sehe dich. Ich nehme dich wahr. Du gehörst dazu. Du bist Mensch.
 
Unsere Tour geht dem Ende zu. Die Bollerwagen sind so gut wie leer, unsere Füße schmerzen und doch haben wir ein Lächeln im Gesicht. Wir lachen und erfreuen uns an dem Erlebten, an den vielen Geschichten, denen wir heute lauschen konnten, die wir ohne gesprochene Worte in ihren Augen gesehen und an der Geschichte, die wir selbst erlebt haben – Heute, im Großstadtdschungel von Dortmund. Eine Geschichte, die stellenweise gruselig und erschreckend ist und doch ist dazwischen dieses Licht der Hoffnung, das wir mit unserem „Hallo“ hineingebracht haben.
 
Wir können nicht die Welt retten – aber jeder kann jemandem helfen.
 
Danke an die megacoole Truppe, die heute diesen Tag zu einer wunderbaren Geschichte gemacht hat.
 
Ich schreibe Geschichten über das Leben. Egal ob dunkel oder hell, es sind Geschichten, die das reale Leben widerspiegelt und dies ist meine Geschichte zum heutigen Tag, den ich mit super tollen Menschen verbringen durfte. Es sind Eindrücke, Gedanken und Gefühle, die auf das Papier flogen und ich hoffe, dass sie die Lesenden anspornen, auch einmal in den Straßen des Großstadtdschungel mit dabei zu sein, um unterwegs „Hallo“ zu sagen.
 
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