„Ein guter Freund in schlechter Lage hört im Schweigen deinen Schrei.“ Oftmals schreien sie nicht. Viel eher bemerkt man sie kaum. Lange mussten wir in Stuttgart suchen, bis wir einen Ort gefunden haben, wo wir viele Bedürftige vorfinden. Und dennoch verändern sich die Treffpunkte häufig. In der Königstraße werden wir heute niemanden antreffen, doch als wir dort entlang ziehen, sind unsere vier Bollerwagen sowieso schon ziemlich leer. Einzig ein paar Wasserflaschen, Kleidung und Hygieneartikel haben wir da noch anzubieten.

Den Großteil unserer Sachen haben wir an diesem Samstag Mitte April unter der Paulinenbrücke verteilt. Es ist jedes Mal ein Phänomen, wenn wir dort eintreffen: Einige Personen sitzen für uns sichtbar; wir steuern direkt auf sie zu und stellen uns auf. So nach und nach werden wir erkannt – bei dieser Aktion sind neben mir, Anne, mein Mann Hacki sowie Jens, Yvonne, Steffi und ihr Mann Christian im Einsatz. Im weiteren Verlauf gesellen sich immer mehr Bedürftige zu uns, warten, bis sie an der Reihe sind – oder drängeln sich auch vor. Klar, niemand möchte der oder die Letzte sein. Unsere Herren machen die Essensausgabe und Bilder von der Aktion, wir Frauen verteilen Kleidung und Hygieneartikel. Diese Aufteilung hat sich mittlerweile fest etabliert.

Während wir bei der Ausgabe zugange sind, wird mir zuweilen etwas bewusst: Wie froh ich bin, dass ich einen Teil meines Lebens hinter mir lassen konnte. War Konsum – wenn auch überwiegend Cannabis und Alkohol – ein bestimmender Teil meines früheren Lebens, so kann ich mittlerweile seit 16 Jahren sagen: Ich brauche das nicht mehr, um zu leben und zu fühlen. Ich habe mich befreit und bin frei. Eine Erfahrung, die ich vielen wünsche – insbesondere den Leuten hier unter der Brücke. Deshalb hat ein Teil von mir auch dieses Mitgefühl für die Menschen, die in dieser Schleife hängen – der Weg dort hinaus ist nicht leicht, aber gangbar.

Nichtsdestotrotz, unsere Ausgabe verläuft reibungslos. Wir haben viele Schuhe dabei, die super gerne genommen werden. Und oftmals sind es die leisen Menschen, die sich dann relativ zum Schluss zu uns trauen und glücklicherweise trotzdem noch das erhalten, was sie benötigen. So endet für uns dann die 4. Aktion dieses Jahres und wir sind gespannt darauf, was wir bei der nächsten guten Tat in der Schwabenmetropole erleben werden.

Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unter https://mein.bosc.de an.