„Es ist nie zu spät.“

Manchmal reicht ein einziger Tag, um wieder zu merken, wie schnell ein Leben aus der Bahn geraten kann.

Heute bin ich, Marcel, gemeinsam mit Tascha und Marco in Lübeck unterwegs. Kurz vor Mittag treffen wir uns am Parkhaus, packen die Bollerwagen und sortieren Lebensmittel, Hygieneartikel und Kleidung. Schnell wird klar: auch heute geht es wieder um weit mehr als nur Kaffee, Essen oder warme Sachen.

Am Klingenberg treffen wir zunächst niemanden an. Erst ein Stück weiter sehen wir die ersten bekannten Gesichter. Ein Pärchen vor einem Drogeriemarkt, das wir schon länger kennen. Freundliche Menschen, die oft ablehnen, weil sie im Vorfeld bereits anderweitig versorgt wurden. Heute freuen sie sich dann doch über Kaffee, Toast mit Käse und ein paar Eier.

Wenig später begegnen wir weiteren Menschen, die versuchen, irgendwie durch den Tag zu kommen. Manche wollen nur einen Kaffee. Andere Hygieneartikel oder etwas zu essen. Manche möchten einfach nur reden.

Besonders beschäftigt mich ein Mann, den ich bereits von früheren Aktionen kenne. Sein Gesicht ist voller offener Wunden, er ist völlig erschöpft und wirkt verwirrt. Erst lehnt er alles ab, später nimmt er doch Kaffee und etwas zu essen an. Beim letzten Licht der Hoffnung wirkte er noch deutlich stabiler.

So schnell kann sich alles verändern.

Immer wieder entstehen Gespräche. Über Krankheiten. Über Familie. Über das Leben auf der Straße. Darüber, wie schnell Menschen durchs Raster fallen können.

Am Lindenplatz treffen wir auf weitere Bedürftige. Einige kommen vorsichtig zu uns, andere bleiben erst auf Abstand. Eine Frau versteht statt „Ei“ zunächst „Eis“ und fragt nach den Sorten. Für einen kurzen Moment müssen wir alle lachen. Am Ende freut sie sich über einen heißen Kaffee.

Auch Kleidung findet neue Personen, die diese gerne tragen werden. Jacken, aber auch Hygieneartikel und kleine Dinge, die für viele selbstverständlich sind, bedeuten hier oft unglaublich viel.

Später am Bahnhof kommen wir erneut mit mehreren Menschen ins Gespräch. Einer erzählt stolz von einem frühen Onkelz-Konzert in der Nähe von Lübeck. Andere sprechen über ihre Erfahrungen mit Hilfseinrichtungen, über Respekt, aber auch über Enttäuschungen.

Was dabei immer wieder hängen bleibt: viele wünschen sich vor allem, als Mensch behandelt zu werden.

Genau das macht das Licht der Hoffnung für mich aus.

Nicht einfach nur etwas verteilen und weitergehen. Sondern zuhören. Reden. Menschen ernst nehmen.

Am Ende des Tages haben wir zwar weniger Leute getroffen als bei manchen anderen Aktionen, konnten aber trotzdem rund 20 bis 25 Personen unterstützen.

Und manchmal reicht genau das.

Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unter https://mein.bosc.de an.