„Keine rühmliche Zeit“: Wieder einmal begeben sich einige unserer Mitglieder in guter Tradition bei knackigen 2°C auf den Weg zu einer kleinen Obdachlosensiedlung im westlichen Ruhrgebiet. Da bei mir, Nine, der Kofferraum bereits randvoll ist, kommt noch Jacqueline mit ihrem Wagen bei mir vorbei, sodass wir alles mitnehmen können.

Wir treffen gegen 14:40 Uhr ein und fangen an, die Autos auszuladen. Bei unserer Ankunft ist der Hauptplatz wie leergefegt und keine Menschenseele zu sehen. Meine Sorge, dass bei diesen Temperaturen niemand kommt, steigt, entpuppt sich jedoch später als völlig unbegründet. Nach und nach treffen noch Benni, Nadine, Patrick, sowie unser Neumitglied Markus ein, der heute bei seiner ersten Aktion dabei ist. Wenig später komplettiert Tanja das heutige Team.

Wir bestücken wie gewohnt die hiesige Tischtennisplatte mit unseren Gaben. Aufgrund einer enormen Keksspenden sowie einer Sonderspende mit Decken und Kissen müssen wir diesmal ein wenig umsortieren. Das Zusammenspiel unter den Mitgliedern ist großartig, und auch Markus fügt sich in die Abläufe ein, als ob er noch nie etwas anderes gemacht hätte.

Nach und nach treffen die Bewohner der Siedlung ein, beäugen die vollgepackte Tischtennisplatte und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Immer wieder hören wir Äußerungen wie „Boaahhhh, Dominosteine! Die kann sich doch keiner mehr leisten“ oder „So viele Leckereien, Wahnsinnnnn!“. Die Dankbarkeit und Freude der Bewohner ist greifbar und geht mir einmal mehr sehr unter die Haut. Wie unbedacht und selbstverständlich habe ich in der diesjährigen Adventszeit Süßkram wie Spekulatius und Dominosteine gekauft …

Überhaupt macht mich meine erste Aktion so unmittelbar nach Weihnachten sehr nachdenklich darüber, was teilweise in den Augen der Menschen zu sehen und in Gesprächen herauszuhören ist. Die Feiertage schlagen den Anwesenden sehr aufs Gemüt. Trotzdem werde ich von Einzelnen gefragt, wie mein Weihnachtsfest war und wie ich es verbracht habe, und es ist mir fast unangenehm, diese Frage wahrheitsgemäß zu beantworten.

Uns wird einmal mehr klar, wie sehr die Bewohner auf uns warten und wie wichtig es ihnen ist, ihr Leben mit uns zu teilen und uns teilhaben zu lassen. So berichtet unser Niederländer Jorg zum Beispiel, dass Philipp derzeit das Bett nicht verlässt und in tiefen Depressionen versunken ist, weil er hier wohnt und sich seine Familie nicht für ihn interessiert. Der sonst so fröhliche Rick, der uns sonst mit Musik beschallt und aus dem Plappern nicht herauskommt, ist heute sehr still und taucht nur in Badelatschen ohne Socken auf. Die drei Ladies – Jenny, Heike und Yvonne – erzählen, dass sie seit Heiligabend Single seien und auch als Single ins neue Jahr gehen, da Weihnachten „ihre Beziehungen geschrottet“ habe. Nach sehr langer Zeit lässt sich auch Bewohner Walter alias „Gaga“ sehen. Er hat wieder einmal eine Entgiftung hinter sich und sieht sehr klar und aufgepäppelt aus, was mich sehr freut. Jorg erzählt zudem, dass er seinen Haftbefehl doch noch abwenden konnte und er bezüglich seiner Schulden eine Mini-Ratenzahlung vereinbaren konnte.

Insgesamt können wir heute ca. 20 Bewohnerinnen und Bewohner, darunter bekannte und neue Gesichter, glücklich machen. Die Atmosphäre ist trotz der Kälte sehr angenehm und besinnlich. Immer wieder wird gesagt, wie dankbar man für die Gaben ist, und dass wir das bitte auch an den Club weitergeben sollen.

Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unter https://mein.bosc.de an.