„Kinder dieser Zeit.“
Bei der letzten Aktion im westlichen Ruhrgebiet ist für mich persönlich einiges anders als sonst.
Gesundheitlich läuft gerade nicht alles rund. Trotzdem gibt’s manchmal Dinge, die macht man eben trotzdem. Gerade dann, wenn man weiß, dass Menschen auf Unterstützung warten.
Also wird eingekauft, vorbereitet und geschaut, dass wieder alles zusammenkommt. Diesmal habe ich vorsichtshalber meine Frau Annika dabei. Nicht nur zum Helfen, sondern auch für den Fall, dass gesundheitlich irgendwann Schluss ist. Wobei sie selbst noch nicht wieder ganz fit ist, weil ihre Hand noch nicht wirklich mitspielen will.
Läuft bei uns – nicht.
Trotzdem funktioniert’s am Ende irgendwie immer.
Als wir ankommen, sind die ersten Bedürftigen schon da. Und genau diese Zeit vor dem eigentlichen Start mag ich mittlerweile echt gerne. Kein Stress. Einfach quatschen. Zuhören. Gespräche führen.
Nicht die Helfenden hier und die Bewohnerschaft dort.
Einfach Menschen.
Das Wetter meint es diesmal fast zu gut. Knapp 35 Grad, Sonne satt. Eigentlich Wetter, bei dem man irgendwo im Schatten liegen und sich möglichst wenig bewegen sollte. Hat uns aber natürlich nicht abgehalten. Nach und nach treffen dann auch die anderen Helfenden ein: Tanja, Wolle, Jacqueline, Frank und Nine. Gemeinsam mit Annika und mir sind wir komplett.
Wie immer wird aufgebaut, sortiert und eingeteilt. Und ehrlich gesagt merkt man mittlerweile einfach, wie eingespielt das Ganze geworden ist. Keine großen Ansagen. Alle packen mit an und irgendwie läuft’s einfach.
Ich übernehme gemeinsam mit Nine und Annika die Kleiderausgabe.
Zwischendurch bleibt natürlich immer wieder Zeit für Gespräche. Und genau das macht solche Aktionen für mich mittlerweile fast genauso wichtig wie die Ausgabe selbst.
Denn klar: Lebensmittel, Kleidung und Hygieneartikel sind wichtig.
Aber manchmal reicht schon ein wertschätzendes Gespräch. Jemand hört zu. Fragt nach. Bleibt kurz stehen. Behandelt dich nicht wie ein Problem, das möglichst schnell abgearbeitet werden muss. Gerade hier merkt man immer wieder: Hinter jeder Tür steckt eine Geschichte. Manche leicht. Viele alles andere als das.
Und trotzdem sitzen da am Ende Menschen wie du und ich.
Menschen, die vielleicht irgendwann falsch abgebogen sind. Menschen, die kämpfen. Menschen, die auch mal hinfallen und länger liegen bleiben. Oder Menschen, mit denen das Leben es ehrlich gesagt nicht besonders gut gemeint hat.
Vielleicht am Ende einfach: Kinder dieser Zeit.
Wenn auch Du Lust hast, eine solche Aktion zu unterstützen oder sogar selbst zu planen und durchzuführen, melde Dich unter https://mein.bosc.de an.


